Der Mülleimer der Geschichte: Über die Gegenwart der Vergangenheit

Der Mülleimer der Geschichte: Über die Gegenwart der Vergangenheit
"Für Euresgleichen gibt es fortan nur noch einen Platz: den Mülleimer der Geschichte!" (Trotzkis Botschaft an die Menschewiki im Oktober 1917).

Der Autor, Fachmann in Sachen Popkultur, greift das Bild auf und findet sich unversehens auf einer gigantischen kulturellen Müllkippe wieder. Seine Texte handeln davon, wie Geschichte abgewertet und zurechtgebogen wird, wie sie in Kunstwerken für immer fortlebt -- und sie handelt von längst vergessenen Künstlern. Schwerpunkte sind, wie könnte es anders sein, die Popmusik und der Film (erfreulicherweise nehmen hier Wim Wenders´ und Syberbergs Werke überrraschend breiten Raum ein).

Das Schöne: Der Autor ergeht er sich eben noch in hochphilosophischen Betrachtungen über Picassos Guernica-Gemälde (das natürlich niemals auf dem Müll landen wird), stürzt er sich schon im nächsten Moment mit der gleichen Begeisterung auf Sam Cookes Klassiker Wonderful World, nur, um sich kurz darauf Susan Sontag, "unsere bedeutendste Kritikerin" zur Brust zu nehmen, die er in einem knappen Essay als weltweit überschätzte Medienmadonna abwatscht.

Eines der liebevollsten Kapitel widmet er der heute über 70jährigen Komponistin Deborah Chessler. Sie schrieb in den 40er Jahren Songs für die erste R & B-Vokalgruppe Orioles, die, inzwischen längst vergessen, einst Wegweiser für Elvis, Dion, aber auch Lou Reed waren. Deborah Chessler im Mülleimer? Nicht bei Greil Marcus.

Kein Buch ohne Robert Johnson, für Marcus die Lichtgestalt im Blues. Er glüht förmlich vor Begeisterung, wenn er dessen Cross Road Blues von 1936 mit der 68er Cream-Version vergleicht. Daß Johnson heute nicht mehr nur "irgendein Name in den Archiven einer längst vergessenen Phonographenfirma" ist, dafür hat man Menschen wie Greil Marcus zu danken, denen kein Mülleimer zu schmutzig ist, um noch ihre Spürnase darin zu versenken. --Ravi Unger

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Kundenmeinungen

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ich versuchs in Kürze: wer ein Buch von Greil Marcus in die Hand nimmt, läßt sich auf einiges ein: da purzelt Pop, Politik, Literatur, Geschichte und Musik zusammen, durcheinander und über- und untereinander. Der rote Faden ist die Widersprüchlichkeit in allen vorhandenen Kulturphänomenen, das eigentlich Uneindeutige in allem vorfindbaren Sozial- und Kulturgut. Und das ist gut so. Greil Marcus ist ein wahrer Artist im Auffinden, Beschreiben und Zuordnen von Menschen und ihren Verhältnissen. Der andere rote Faden ist Amerika, die USA, ein Flickenteppich aus total verschiedenen mitgebrachten Kulturen (Europa, Afrika, Lateinamerika, Asien). Wie Menschen diese Vielfalt oder auch Widersprüchlichkeit in sich versuchen zu verbinden oder aber eben dieses nicht schaffen, das ist ein Thema. Das Tollste an Greil Marcus ist aber seine bedingungslose Liebe zu seinen Themen und Menschen. Sonst könnte er wohl so nicht schreiben. Was Elvis oder Robert Johnson als Sänger waren, ist Greil Marcus als Autor, absolut virtuos. Begeistert und geschichtsbewußt, und er gibt die Credits denen, die sie verdienen. 

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